Bremsen in Auto
Energiepreise treiben Inflation und bremsen Wachstum

Vor der Eskalation im Nahen Osten hatte die Weltwirtschaft an Schwung gewonnen. Der Irankrieg veränderte dieses Bild mit einem neuerlichen Energiepreisschock grundlegend. Volkswirtin Bettina Hametner analysiert die aktuellen Konjunkturdaten.

Unterschiede zwischen Industrie- und Tourismusländern

Die EU-Kommission erwartet heuer ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent in der EU und 0,9 Prozent in der Eurozone. Die zusammengefassten Daten verdecken die erheblichen Unterschiede zwischen den Ländern: Während für industrielastige Staaten wie Österreich und Deutschland die Daten nach unten korrigiert wurden, wurde die BIP-Prognose für Spanien sogar geringfügig angehoben.

Iran-Krieg unterbrach Aufschwung

Vor dem Iran-Krieg

Trotz geopolitischer Belastungen (wie der Unsicherheit über US-Zölle) wurde die Wirtschaft durch sinkende Inflation, lockerere Geldpolitik und starke Investitionen – vor allem wegen der Fortschritte bei KI – gestützt


Auch in Europa fasste die Konjunktur wieder Fuß und zeigte Widerstandskraft (robuster Arbeitsmarkt, solide Bilanzen im privaten Sektor), auch wenn schwache Wettbewerbsfähigkeit und die öffentlichen Finanzen Sorgen mach(t)en.


Aktuelle Situation

Außerhalb Europas haben sich die Aussichten für die USA durch den KI-Boom und ihre Rolle als Energieexporteur verbessert. Gleichzeitig geraten konsumabhängige Unternehmen unter Druck – besonders in China, wo das Wachstum aufgrund der schwachen Nachfrage weiter nachlassen dürfte.


Im Nahen Osten und Nordafrika hat sich die Wirtschaftslage wegen des Kriegs verschlechtert. Viele energieabhängige Länder, vor allem in Asien, leiden unter hohen Energiekosten. Auch Europa ist betroffen, aber weniger stark als 2022, da die Abhängigkeit von fossilen Energien bzw. der Energieverbrauch gesenkt wurden. Außerdem ist Europas Wirtschaft heute stabiler als nach der Corona-Krise.

BIP Wachstum in Europa 2026
Quelle: EU-Kommission, 21.05.2026

Bildung einer Lohn-Preis-Spirale?

Dennoch besteht Gefahr, dass sich der aktuelle Preisschock über dieselben Kanäle auf die Gesamtwirtschaft überträgt wie der letzte 2022: Höhere Energiepreise treiben die Produktions- und Transportkosten und schlussendlich potenziell die Endverbraucherpreise. Außerdem besteht die Gefahr der Bildung einer Lohn-Preis-Spirale - je nachdem wie lange und intensiv der Preisschock ist.

So spielt die EU-Kommission - wie viele andere Institute - in der aktuellen Prognose mehrere Szenarien durch. Doch selbst in einem (vergleichsweise optimistischen) Szenario bleibt die Euro-Inflationsrate auch 2027 noch mit 2,3 Prozent erhöht und über dem EZB-Ziel. 

Wachstums- und Wettbewerbssorge in Europa

Höhere Inflation führt meist zu höheren Zinsen. Zusammen mit mehr Unsicherheit bremst das den Konsum und die Investitionen.

Dies ist nicht nur ein kurzfristiges Konjunkturthema, sondern schürt die langfristige Wachstums- und Wettbewerbssorge in Europa weiter. Ein Thema, das die EU im aktuellen Prognosebericht mehrmalig ansschneidet - im Speziellen auch in Bezug auf die zukunfts- und produktivitätsträchtigen Bereiche wie KI und den Handel mit wachstumsstarken, aufstrebenden asisatischen Märkten.

Konjunkturelles Stimmungsbild in Europa

Österreich      

Deutschland

  • Zu Beginn 2026 erreichten Industrieproduktion und -stimmung nach sehr langer Durststecke endlich 2-Jahres-Höchststände, nur um im späten Frühjahr nach dem neuerlichen Energiepreisschock wieder erheblich erschüttert zu werden. Auch der Konsum - beinahe schon Evergreen der Konjunkturhoffnungen - dürfte aufgrund der erneuten Unsicherheiten, Inflationsanstiege und rückläufiger verfügbarer Realeinkommen verhalten bleiben. Man wartet weiter auf einen handfesten Aufschwung und nachhaltigen Rückgang der Inflation auf den Zielwert von 2 Prozent.
  • ... erleidet wie Österreich einen Rückschlag beim Kampf heraus aus der Konjunkturdelle. Der Energiepreisschock erhöht Kosten und Preise, zieht Realeinkommen und Gewinnspannen nach unten. Frühestens 2027 wird der Konsum nach EU-Prognose messbar anziehen. Auch die Investitionen bleiben vorerst schwach, stimuliert nur von staatlicher Komponente.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

Frankreich    

Italien

  • ...trifft der neuerliche Energiepreisschock ebenso, allerdings weniger intensiv als Österreich oder Deutschland. Das Land kann mit seiner starken Verteidigungsindustrie im gegenwärtigen Umfeld punkten. Der Privatkonsum hingegen bleibt schwach und der stark defizitäre Staatshaushalt mit weiter steigender Schuldenquote stellt ein Problem dar.
  • Die negativen Auswirkungen des Irankriegs treffen Italiens Wirtschaft auf breiter Front: Der Privatkonsum bremst sich aufgrund des erheblichen Kaufkraftverlusts durch die deutlich angezogene Inflation ein, die Investitionsnachfrage wird beeinträchtigt. Selbst EU-kofinanzierte Investitionsprojekte dürften Gegenwind durch wieder steigende Zinsen erfahren. Der Exportsektor ist durch höhere US-Zölle und schwächere Entwicklungen in Exportmärkten negativ betroffen.

Spanien    

  • Trotz der globalen Konjunktureintrübung wächst die spanische Wirtschaft vergleichsweise lebhaft. Verantwortlich dafür sind die robuste Konsum- und Investitionsnachfrage in Kombination mit deutlich positivem Wachstumsbeitrag der Nettoexporte aufgrund rückläufiger Importe. Hauptsorge sind negative Auswirkungen des Irankonflikts auf den Tourismus aufgrund höherer Reisepreise oder fehlender Beförderungsmöglichkeiten. 

Ersteller: Mag. Bettina Hametner, Petra Putschögl, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG
Redationsschluss:
22.05.2026
Quelle: EU-Kommission, 21.05.2026

Rechtliche Hinweise

Dieses Dokument ist weder eine Marketingmitteilung noch eine Finanzanalyse. Es handelt sich lediglich um Informationen über allgemeine Wirtschaftsdaten. Dieses Dokument basiert auf öffentlichen Informationen und wurde von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG ausschließlich zu Informationszwecken erstellt. Die enthaltenen Angaben, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung - vorbehaltlich von Änderungen und Ergänzungen. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Die Inhalte sind unverbindlich und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Da jede Anlageentscheidung der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z.B. Risikobereitschaft) des Anlegers bedarf, ersetzt diese Information nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenbetreuer im Rahmen eines Beratungsgespräches. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Diese Informationen dienen nur der Erstinformation und enthalten keinerlei Rechts- oder Steuerberatung und können diese auch nicht ersetzen. Die beschränkte Steuerpflicht in Österreich betreffend Steuerausländer impliziert keine Steuerfreiheit im Wohnsitzstaat. Angaben über die Wertentwicklung beziehen sich auf die Vergangenheit und stellen daher keinen verlässlichen Indikator für die zukünftige Entwicklung dar. Währungsschwankungen bei Nicht-Euro-Veranlagungen können sich auf die Wertentwicklung ertragserhöhend oder ertragsmindernd auswirken. Ausführliche Risikohinweise und Haftungsausschluss unter www.bankdirekt.at/disclaimer

02.06.2026 - Wirtschaft aktuell