Pferderennen
"Come back in September" - Vom Ursprung einer Börsenweisheit

„Sell in May and go away – but remember: come back in September“. Kaum eine Börsenweisheit ist so bekannt. Worauf geht sie zurück und ist sie mehr als ein alter Spruch?

An der Börse oder beim Pferderennen?

Hinter der Regel steckt ein historisch beobachtbares saisonales Muster an den Aktienmärkten. Die Geschichte dahinter ist mindestens genauso interessant wie die Statistik.

Ursprünge im London des 19. Jahrhunderts vermutet

Über den Ursprung

Die Ursprünge von „Sell in May and go away“ reichen vermutlich bis ins London des 19. Jahrhunderts zurück.

Damals verließen viele Geschäftsleute, Händler und Bankiers während der Sommermonate die Stadt. Die Sommerzeit war traditionell von Urlaub, gesellschaftlichen Veranstaltungen und einer geringeren Geschäftstätigkeit geprägt.

Die Börsenaktivität war entsprechend ruhiger. Im Herbst kehrten die Menschen nach London zurück – und damit nahm auch das Geschäftsleben wieder Fahrt auf.


Der ursprüngliche Spruch lautete sogar: „Sell in May and go away, come back on St. Leger’s Day.“  Der St. Leger Stakes ist ein traditionsreiches britisches Pferderennen, das seit 1776 jährlich im September in Doncaster stattfindet.


Das Rennen hatte für die damalige Gesellschaft eine besondere Bedeutung. Der Termin fiel in die Zeit, in der viele Händler und Geschäftsleute nach der Sommerpause wieder nach London zurückkehrten. Der St. Leger’s Day wurde damit zu einem praktischen zeitlichen Orientierungspunkt. 

Die Idee hinter der Börsenweisweit

Die Monate November bis April waren historisch häufig eine stärkere Börsenphase, wobei es sich um ein statistisches Muster handelt und keine Garantie für einzelne Jahre. Von Mai bis Oktober fielen die durchschnittlichen Renditen dagegen oft geringer aus. Wer der Strategie folgt, würde deshalb seine Aktienpositionen im Frühjahr reduzieren oder verkaufen und erst im Herbst wieder investieren.

Das klingt einfach – doch ganz so einfach ist die Börse natürlich nicht.

Der sogenannte Sell-in-May-Effekt gehört zu den bekanntesten saisonalen Mustern an den Finanzmärkten.

Online-Trading hebt Muster aus

Die Entstehung der Börsenweisheit „Sell-in-May“-Effekt kann man einer Zeit zuordnen, in der Börsenhandel deutlich langsamer und stärker von den Arbeits- und Lebensgewohnheiten der Marktteilnehmer geprägt war.

Anleger, Händler und Börsenmakler waren an bestimmte Handelsplätze gebunden, Informationen verbreiteten sich langsamer und Transaktionen waren aufwendiger.

Anleger haben heute wesentlich schnelleren Zugang zu Marktdaten und können Wertpapiere elektronisch während der jeweiligen Handelszeiten handeln. Auch die geografische Entfernung zum Börsenplatz verlor mit dem Internet an Wichtigkeit.

Langfristigkeit statt saisonale Effekte

Saisonale Muster sollten heute weniger als feste Börsenregeln verstanden werden. Sie können weiterhin ein interessanter Faktor bei der Analyse von Aktienmärkten sein – müssen aber im Kontext moderner Handelsbedingungen immer wieder neu überprüft werden.

Den perfekten Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt gibt es nicht. Hinzu kommen mögliche Transaktionskosten beim ständigen Kauf- und Verkauf, die man bedenken sollte.


Für langfristig orientierte Anleger können andere Faktoren wie Anlagehorizont, Risikobereitschaft und Diversifikation wesentlich wichtiger sein.


 

Pferde springen Uhr

Rechtliche Hinweise

Dieses Dokument wurde von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG (RLB OÖ) ausschließlich zu Informationszwecken erstellt. Die enthaltenen Angaben, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung - vorbehaltlich von Änderungen und Ergänzungen. Die RLB OÖ  übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte und für das Eintreten von Prognosen. Die Inhalte sind unverbindlich und stellen weder ein öffentliches Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Da jede Anlageentscheidung der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse (z.B. Risikobereitschaft) des Anlegers bedarf, ersetzt diese Information nicht die persönliche Beratung und Risikoaufklärung durch den Kundenbetreuer im Rahmen eines Beratungsgespräches. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen. Aus der Veranlagung können sich steuerliche Verpflichtungen ergeben, die von den jeweiligen persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängen und künftigen Änderungen unterworfen sein können. Diese Informationen dienen nur der Erstinformation und enthalten keinerlei Rechts- oder Steuerberatung und können diese auch nicht ersetzen. Die beschränkte Steuerpflicht in Österreich betreffend Steuerausländer impliziert keine Steuerfreiheit im Wohnsitzstaat. Ausführliche Risikohinweise und Haftungsausschluss unter www.bankdirekt.at/disclaimer.

16.09.2026 - Veranlagung