COVID-19 – die Angst ist zurück

Raiffeisen Research

Corona Virus

Bereits am Freitag kamen US-Aktienmärkte durch eine Kombination schwächerer PMIs aus den USA und stark ansteigender COVID-19 Fallzahlen aus Italien, Südkorea und Iran unter Druck und gaben mehr als 1 % nach. Mit weiter steigenden Erkrankungsfällen aus diesen Ländern übers Wochenende (während die Neuerkrankungsfälle aus China ex Hubei weiter sinken) ist auch die Angst vor einer unkontrollierten Coronavirus Ausbreitung wieder zurück an den Märkten: Die Börse in Südkorea als neues Epizentrum fast 4 % im Minus, aber auch S&P 500 Future und die europäischen Märkte 2 – 3,5 % tiefer.

Bis letzte Woche sah es so aus, als wären die Fallzahlen außerhalb Chinas gering und unter Kontrolle. Und in China selbst scheinen die Quarantänemaßnahmen weiterhin zu wirken, denn die Neuerkrankungen außerhalb Hubeis sind nach wie vor stark rückläufig. Entsprechend erreichten die meisten Aktienmärkte bis Mitte der Woche neue Jahreshochs – vergleichbar zur Entwicklung bei SARS 2003.

Mit der jüngsten Entwicklung in Italien (und Iran) bekommt die Epidemie aber eine neue Dimension, da hier die Ansteckung offensichtlich im Hintergrund schon weiter um sich gegriffen hat, was effektive Quarantänemaßnahmen schwierig macht. Der Markt befürchtet offensichtlich, dass es zu ähnlichen – bisher unbemerkten – breiteren Ansteckungsketten inzwischen auch in anderen Ländern gekommen ist, die nun sukzessive erst bekannt werden. Und im Fall von Schwellenländern wie dem Iran auch nur schwer eindämmbar sein werden, was die Chance reduziert eine globale Ausbreitung zu verhindern.

 

Markteinschätzung:
 

Kurzfristig: 
Dass COVID-19 damit nun auch in Europa mit eigenen breitflächigen Ansteckungsketten angekommen ist und in Italien größere Quarantänemaßnahmen notwendig sind, sollte mit dem heutigen Kurssturz eingepreist sein und lohnt keinen Verkauf mehr. Zumal der unmittelbare wirtschaftliche Schaden der bisherigen Maßnahmen für Europa (geschweige denn USA) vernachlässigbar ist. Allerdings ist damit auch die Wahrscheinlichkeit sprunghaft gestiegen, dass nach dem Muster Italien die Krankheit längst auch in anderen Ländern (inklusive USA?!) in der Breite angekommen ist, und dort in den nächsten Tagen und Wochen in größerem Stil festgestellt wird. Davor fürchtet sich heute der Markt, und in dem Fall wäre der Kursrückgang an den globalen Börsen noch nicht vorbei! Im aktuellen Beispiel China fiel der Börsenindex CSI300 von Mitte Jänner 2020 bis Anfang Februar um rund 13 % (siehe Grafik): ähnliche Rückgänge von rund 10 % wären in einem solchen Szenario auch für die globalen Börsen realistisch.
Allerdings: Den Großteil dieses Kurseinbruchs verbüßte der chinesische Aktienmarkt in nur einer Woche, und die anschließende Kurserholung war ähnlich scharf: Vom Tief am 3. Februar holte er binnen knapp 2 Wochen einen Großteil seiner Kursverluste wieder auf (lange vor Ende der Epidemie). Wer jetzt aus dem Aktienmarkt aussteigt riskiert deshalb, die anschließende scharfe Erholung zu versäumen, wenn er nicht ausgezeichnetes Timing beim Wiedereinstieg beweist.
 

Langfristig: 
Auch wenn ein oben beschriebenes Szenario durch die entsprechenden Eindämmungsmaßnahmen (Quarantäne, Produktionsausfälle, Konsumaufschub) das Wachstum in den betroffenen Ländern (Eurozone, USA?) kurzfristig scharf reduzieren würde, wäre binnen eines Quartals ein scharfer Konjunktur-Rebound zu erwarten, sobald die Fallzahlen (wie in China bereits ersichtlich) weiter abflauen und die Wirtschaft wieder zu laufen beginnt. Aktienmärkte nehmen solch eine Entwicklung meist recht früh vorweg. Weitere Kursrückgänge würden auf mittlere Sicht dementsprechend wohl rasch aufgeholt. Zwar stimmt es, dass viele Aktienmärkte nach der jüngsten Rallye bereits kurzfristig nach oben überdehnt waren, was mit zur Schärfe der aktuellen Korrektur beiträgt; das aktuelle Umfeld (globale Konjunktur ist dabei nach zweijähriger Abschwächung wieder nach oben zu drehen, extrem expansive Notenbankpolitik) ist aber nach wie vor unterstützend für Aktienmärkte. Und eine Verschärfung der Epidemie würde die Konjunkturpolitik wohl noch expansiver ausfallen lassen. Für langfristig orientierte Investoren ist die aktuelle COVID-19-Epidemie deshalb kein Grund die langfristige Aktienmarktgewichtung zu reduzieren – weitere Kursrückgänge wie oben beschrieben wären vielmehr eine Gelegenheit die langfristige Quote aufzustocken. 

 

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Stand: Februar 2020


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