Ein Blick in die Zukunft der asiatischen Smartphone-Branche

Ein Beitrag von Franklin Templeton

Ein Blick in die Zukunft der asiatischen Smartphone-Branche

Trotz des Handelskrieges zwischen den USA und China hält Sukumar Rajah von Franklin Templeton Emerging Markets Equity das Chancenspektrum der Schwellenländer nicht für verloren. Er erläutert, wie ein gesättigter Smartphone-Markt in den asiatischen Schwellenländern Innovationschancen schaffen könnte.​

Aufgrund der anhaltend großen Handelsspannungen zwischen den USA und China werden aller Augen auf die weitere Entwicklung der Zollspirale gerichtet sein. Angesichts der global organisierten Lieferkette stehen Technologieprodukte im Mittelpunkt dieses Streits. Dies bereitet einigen Schwellenländer-Anlegern Sorgen. Manche Beobachter vermuten, dass die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Zollerhöhungen auf einige chinesische Güter bis Dezember aufzuschieben, dem Wunsch geschuldet ist, Preiserhöhungen für Mobiltelefone, Notebooks und Videospiele-Konsolen vor dem Weihnachtsgeschäft in den USA zu vermeiden. Die Spannungen zwischen China und den USA sind jedoch nicht das einzige Problem für den Technologiesektor.

Denn auch die historisch bedingte Verschlechterung der koreanisch-japanischen Beziehungen im vergangenen Jahr sorgt für Unsicherheit im Technologiesektor. Japan hat die Vorschriften für die Ausfuhr von drei Schlüsselwerkstoffen für die südkoreanische Halbleiterbranche verschärft.

Auch wenn die Handelsfehde zwischen Japan und Südkorea kurzfristig noch keine erheblichen Auswirkungen zeigt, ist der mittel- bis längerfristige Ausblick für die Branche nun weniger transparent, da eine Lösung zwischen Südkorea und Japan nicht absehbar ist. Falls der koreanisch-japanische Handelsstreit andauert oder sich verschärft, könnte es für wichtige Hersteller von Smartphone-Komponenten wie Samsung Electronics und Hynix zu Produktionsengpässen und Schwierigkeiten beim Übergang zur Technologie der nächsten Generation kommen, da der Aufbau einer lokalen Lieferkette und/oder deren Umstellung Zeit erfordern wird.

Trotz dieser Unsicherheit schätzen wir die strukturellen Trends in der Branche für Technologie-Hardware weiter positiv ein und sehen nach wie vor vereinzelte Chancen in der Smartphone-Branche, insbesondere bei Unternehmen mit starken Innovationskapazitäten und Finanzkennzahlen.

 

Kampf der Smartphone-Hersteller um Innovationskrone

Das Wachstum bei den Smartphone-Umsätzen war im letzten Jahrzehnt phänomenal. Bis 2016 wurden fast 1,5 Milliarden Smartphones verkauft – genug Geräte für jeden fünften Menschen auf der Welt.[1]

Viele Smartphone-Hersteller bereiten sich auf die Einführung 5G-fähiger Geräte (5G = fünfte Generation) vor, die sich mit den neuen 5G-Mobilfunknetzen verbinden können, die in Ländern wie etwa Südkorea gerade eingerichtet werden. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der weltweite Smartphone-Markt seinen Sättigungspunkt erreicht haben könnte, denn die Smartphone-Lieferungen scheinen im zweiten Quartal 2019 gesunken zu sein.[2]

Auch wenn sich das Wachstum der Stückzahlen verlangsamte, erwarten wir pro Telefon weiterhin mehr Ausgaben der Smartphone-Hersteller, um einzelne Gerätemerkmale zu verbessern und Käufer und Marktanteile hinzuzugewinnen. Dieser Wettlauf um einen höheren Verbrauchernutzen dürfte Investmentchancen bei den Herstellern von Komponenten mobiler Geräte schaffen.

Ein Bereich, in dem Smartphone-Hersteller versuchen könnten, sich von der Konkurrenz abzuheben, ist die Qualität der Gerätekameras. Führende Unternehmen bieten immer mehr Kameras, immer komplexere Kameradesigns sowie immer höher auflösende Linsen in ihren Smartphones.

Diese Nachfrage nach fortlaufenden Innovationen im optischen Bereich kommt den technologischen Marktführern im Bereich Smartphone-Linsen zugute, denn sie ermöglicht ihnen nicht nur die weitere Steigerung der Verkaufszahlen, sondern auch des durchschnittlichen Verkaufspreises. Denn das rasche Tempo der Upgrades in diesem Bereich ermöglicht den Marktführern die Beibehaltung und sogar Steigerung des durchschnittlichen Verkaufspreises, während die Nachzügler Mühe haben, mit den immer höheren technischen und qualitätsbezogenen Anforderungen Schritt zu halten.

Ein Blick in die Zukunft der asiatischen Smartphone-Branche

Belastung durch Handelskrieg eröffnet Chancen bei Marktanteilen

Mit den anhaltenden Handelsspannungen zwischen den USA und China sehen wir für nicht-chinesische Hersteller von Smartphone-Komponenten die Chance, Marktanteile zu erobern.

Die Verlagerung bestimmter Teile der Smartphone-Produktion und -Montage in Länder außerhalb Chinas durch einige Unternehmen ist durch die steigenden Kosten für Land, Arbeit und allgemein die Güterproduktion in China begründet. Der Handelskrieg zwischen den USA und China beschleunigt diesen Trend.

Es gibt Belege dafür, dass multinationale Unternehmen in Zulieferer investieren, die imstande sind, sich vom chinesischen Smartphone-Markt zu lösen und kostengünstige Fertigungszentren in Asien zu schaffen. Vietnam und Indien sind attraktive Optionen für eine Verlagerung. In beiden Ländern floriert das verarbeitende Gewerbe, und nach unserem Dafürhalten können beide von den hohen Unternehmensinvestitionen in Fabriken, Ausrüstung und Lieferketten profitieren. Immer mehr Firmen errichten in Vietnam und Indien, wo die Betriebskosten in der Regel niedriger sind als in Industrieländern, hochmoderne Labore für Forschung und Entwicklung.

In Indien betrugen die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) im vergangenen Jahr insgesamt 64 Milliarden US-Dollar.[3] Noida, eine Stadt vor den Toren Neu-Delhis, beheimatet nun eines der weltgrößten Fertigungszentren für Smartphones. Laut Branchenschätzungen werden an diesem Standort pro Jahr für ein einziges Unternehmen 120 Millionen Einheiten produziert.

Auch Vietnam zieht weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich 2018 insgesamt auf 19 Milliarden US-Dollar.[4] Das ehemalige Fertigungszentrum für Kleidung ist in der Wertschöpfungskette nach oben geklettert und produziert nun Güter mit Technologiebezug, einschließlich Smartphone-Komponenten. Und aufgrund der geografischen Nähe zu China ist es für die Unternehmen einfacher, Vietnam in die häufig komplizierten Smartphone-Lieferketten zu integrieren.

Auch wenn die Aussichten für Vietnam vielversprechend erscheinen, bestehen für das Land noch einige Hürden, bis es die Produktionskapazität und -kompetenz Chinas erreicht. Wir erwarten für Vietnam und andere kleinere Volkswirtschaften jedoch wachsende Marktanteile insbesondere in bestimmten Nischenbranchen.

Verknüpfung aller Aspekte

Insgesamt bieten nach unserer Auffassung ausgewählte Segmente der Smartphone-Branche in den kommenden Jahren langfristiges Wachstumspotenzial mit Investitionsmöglichkeiten. Aus unserer Sicht stellen die aktuellen Handelsspannungen für einzelne Unternehmen, die ihre Ertragskraft in einem bereits gesättigten Markt steuern und erhalten können, eine Chance dar.

Als langfristig orientierte Anleger sind wir bestrebt, Unternehmen zu identifizieren, die nach unserer Auffassung von den erörterten strukturellen Trends profitieren dürften. Wir suchen Unternehmen mit kompetenter Geschäftsleitung und starker Innovationsfähigkeit, die robuste Cashflows erwirtschaften. Aus unserer Sicht werden diese Eigenschaften den Unternehmen helfen, in dem aufgrund des US-chinesischen Handelskrieges nun schwierigeren Geschäftsumfeld auf Kurs zu bleiben und möglicherweise Marktanteile zu erobern.

 

 

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Stand: Oktober 2019



[1] Quelle: Ministerium für Handel & Industrie, Juli 2019.

[2] Quelle: Vietnamesisches Ministerium für Planung & Investitionen, Dezember 2018.

[3] Quelle: Internationaler Währungsfonds, „A New Smartphone for Every Fifth Person on Earth: Quantifying the New Tech Cycle“, Januar 2018.

[4] IHS Markit, August 2019.

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