Folgen des Coronavirus für Rohstoffanleger

Ein Beitrag von Franklin Templeton

Folgen des Coronavirus für Rohstoffanleger

Das Coronavirus und die Folgen der Eindämmungsbemühungen für das weltweite Wirtschaftswachstum und die Ölnachfrage beeinflussen laut Fred Fromm von der Franklin Equity Group die Stimmung und das Verhalten der Anleger. Trotz der kurzfristigen Auswirkungen des Ausbruchs auf Rohstoffpreise und -aktien sieht er Gründe dafür, dass die Lage für die meisten Unternehmen auf lange Sicht beherrschbar sein dürfte.​


Zweifelsohne hat das neuartige Coronavirus vielen Menschen Leid gebracht, und der Ernst der Lage sollte keinesfalls verharmlost werden. Das Virus sorgt unter den Anlegern weltweit zudem für eine gewisse Panik, denn im Zuge der Ausbreitung des Virus waren volatile Marktreaktionen zu beobachten. Ein Beispiel hierfür ist der 3. Februar, als die chinesischen Rohstoffmärkte bei ihrer Öffnung nach dem chinesischen Neujahrsfest ins Straucheln gerieten. Es stellt sich die Frage, ob die häufig panikartigen, kurzfristigen Reaktionen der Märkte auf derartige Schocks berechtigt sind.

Obwohl die Besorgnis um die möglichen wirtschaftlichen Schäden durch das Coronavirus und die Eindämmungsbemühungen die Rohstoffpreise und entsprechende Aktienwerte belastet, gelangen wir bei einer Betrachtung der Lage aus Anlegerperspektive zu der Überzeugung, dass die fundamentalen langfristigen Trends, die bereits vor den Meldungen über den Ausbruch bestanden, sich nicht wesentlich ändern dürften. Aktuelle Konjunkturberichte deuten zudem auf eine Erholung hin, und die Regierungen dürften durch weitere geldpolitische Anreize beitragen, die Abwärtseffekte des Virus auf die Wirtschaftsaktivität auszugleichen. Darüber hinaus können niedrigere Rohstoffpreise durch niedrigere Kosten für die Verbraucher, insbesondere bei Kraftstoff, wie eine Anreizmaßnahme wirken.

Die Quarantäne in China wird mit der gezielten Schließung von Unternehmen und des öffentlichen Verkehrs in regionalen Krisenherden die Rohstoffnachfrage beeinflussen, doch nach unserer Überzeugung dürften die Folgen nur kurzlebig sein, da das Wetter im Frühjahr wärmer wird, die Ausbreitung des Virus an Fahrt verliert und Impfstoffe und Medikamententherapien entwickelt werden. Zwar scheint die Situation weiterhin im Fluss zu sein, doch falls die Vergangenheit und die SARS-Epidemie (Schweres Akutes Atemwegsyndrom) von 2003 eine Richtschnur sind, werden sich die Märkte – möglicherweise stark – erholen, sobald das Virus entschlüsselt und eingedämmt ist.

 

Wirtschaftliche Folgen

Unterdessen kündigte die chinesische Zentralbank kürzlich beträchtliche Kapitalspritzen für das Bankensystem des Landes an, um dem schwächelnden inländischen Aktienmarkt unter die Arme zu greifen. Allerdings bleiben die Sorgen um die Bedrohung, die das neuartige Coronavirus für die weltweite Ölnachfrage darstellt, bestehen. Die wirtschaftlichen Folgen des Virus sind auch bei einigen weiteren im Verkehrswesen und in der Fertigung verwendeten Industrierohstoffen spürbar. Mit der Ausbreitung der Krankheit beurteilten die Rohstoffhändler die Folgen der Fabrikschließungen in China, das der weltgrößte Energieverbraucher und Produzent von Stahl, Kohle, raffiniertem Kupfer und anderen Basismetallen ist, kontinuierlich neu.

China ist größte Ölimporteur und der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt. Derzeit verbraucht das Land rund 13,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, also fast zehnmal mehr, als es selbst fördert.[1] Die Versuche zur Eindämmung des Coronavirus legten den regionalen Reiseverkehr zu einem Zeitpunkt lahm, zu dem sich die Kraftstofflagerbestände saisonal bedingt in der Regel aufbauen. In diesem Umfeld machte die Angst vor einem Überangebot Rohöl äußerst anfällig für Nachfragesorgen, auch wenn sie ihrem Wesen nach kurzfristig sind.

Entlastung erfuhren die globalen Ölmärkte, als das Konsortium aus Organisation erdölexportierender Länder und Russland (OPEC+) eine Sitzung des gemeinsamen technischen Ausschusses ankündigte, um die kurzfristigen Folgen des Virus auf die Ölnachfrage zu erörtern. Aus unserer Sicht könnte die OPEC vorübergehende Förderkürzungen empfehlen, auch wenn Russland seine Haltung in dieser Frage nur zögerlich bestätigte und das die Frage aufwarf, ob es zu einer Verringerung kommen wird. Dies setzte die Rohölpreise weiter unter Druck.

Folgen für Anleger

Auf Unternehmens- und Branchenebene sind die Trends bei vielen Rohstoffunternehmen des Energie- und Materialsektors mit einem Fokus auf Kostenkontrolle und Investitionsdisziplin nach wie vor positiv. Dies sollte höheren Renditen und Cashflows den Weg ebnen, die eingesetzt werden können, um die Bilanzen zu verbessern und Liquidität an Aktionäre zurückzugeben. In der Berichtssaison für das vierte Quartal 2019 haben die meisten Rohstoffunternehmen bisher Finanzergebnisse und Prognosen gemeldet, die die Konsenserwartungen der Analysten erfüllen oder übertreffen.

Nach unserer Überzeugung wird eine Kombination mehrerer Faktoren, einschließlich der vorgenannten Faktoren, allmählich mehr Anleger anlocken, die nach Jahren schwacher Renditen in den rohstofforientierten Branchen völlig zu Recht skeptisch sind. Im Energiesektor waren die zuvor schwachen Renditen teilweise auf die Investitionen zurückzuführen, die auf dem Höhepunkt des letzten Zyklus getätigt wurden, als die Entwicklungschancen begrenzt und die Kosten relativ hoch waren. Dagegen bot das Investitionsumfeld in den vergangenen Jahren zahlreiche Chancen, Vorhaben mit viel robusteren und nachhaltigeren Renditeprofilen zu verfolgen.

Die schwachen Renditen der jüngeren Zeit in der Öl- und Gasexplorations- und Förderbranche können den Frühphasen der Erschließung unkonventioneller, in Schiefer oder dichtem Gestein lagernder US-Ressourcen zugeschrieben werden. Anstatt es in diesem Lichte zu betrachten, d. h. als Technologieunternehmen in der Frühphase, folgerten viele kurzsichtige Anleger, dass der Rohstofftyp wirtschaftlich einfach nicht tragbar sei. Dieser Meinung schließen wir uns nicht an.

Die Führung von Chevron, einem der größten und ältesten Energieproduzenten im Permischen Becken in Texas, gab auf der letzten Ergebnis-Telefonkonferenz an, für diese Region unter Einbeziehung sämtlicher Bereiche, also einschließlich aller Anschaffungs-, Entwicklungs- und Produktionskosten, mit einer Gesamtkapitalrendite (ROCE) von 20 % zu rechnen. Dies wiederum dürfte die derzeitige unternehmensweite ROCE von 7 % steigern, da die Schieferölförderung im Permischen Becken auf mehr als 20 % der Gesamtförderung ansteigt.[2]

Ebenso erwarten wir eine bessere Generierung von Renditen und Liquidität bei ausgewählten kleinen und mittleren Produzenten, da sie reifen und Skaleneffekte nutzen, die von den Anlegern oder von anderen Produzenten, die ihre Ressourcenbasis durch Übernahmen vergrößern wollen, erkannt werden dürften.

Auch wenn wir die Folgen des Coronavirus keinesfalls vollständig vorhersagen können, galten Rohstoffe generell stets als sehr anfällig für eine mögliche Nachfrageschwäche. Aktien mit Rohstoffbezug wurden von den Anlegern aus unserer Sicht insbesondere im Vergleich zum breiteren Markt übermäßig abgestraft. In einer Zeit, in der an den Märkten Stimmung und Momentum dominieren, sind Aktien, die sich schwach entwickelten, leichte Ziele für die Kapitalbeschaffung, und nach unserer Auffassung könnte dies eine potenzielle Chance bieten, um in Aktien des Energie- und Materialsektors zu investieren, wo die längerfristigen Fundamentaldaten weiterhin solide sind.

Viele Rohstoffaktien haben ihre Kursgewinne aus dem vierten Quartal 2019 vollständig abgegeben und notieren wieder nahe an ihren Vieljahres- und in einigen Fällen Allzeittiefs. Im aktuellen Umfeld begnügen wir uns daher damit, die Kernpositionen aufzustocken und legen hierbei einen besonderen Fokus auf Unternehmen höherer Qualität mit soliden Bilanzen, deren Bewertungen uns zuvor voll ausgereizt erschienen.

 

 

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Stand: März 2020


[1] Quelle: Internationale Energieagentur.

[2] Quelle: Chevron Corporation, Ergebnis-Telefonkonferenz 4. Quartal 2019, 31. Januar 2020.


Welche Risiken bestehen?
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