Konjunkturstabilisierung durch antizyklische Wirtschaftspolitik

Economic Research Report 2. Quartal 2019

Economic Research Report 1. Quartal 2019Weltwirtschaft

Im 2. Halbjahr 2018 verlor das globale Wirtschaftswachstum stärker an Dynamik als erwartet, was zu einem Gutteil auf eine ausgewachsene Schwäche der Industrie vor allem in Europa und tiefe Rezessionen in einigen Schwellenländern zurückzuführen ist. Vorlauf- und Stimmungsindikatoren sind im OECD-Raum deutlich zurück gegangen, speziell in der Eurozone und in China. Auch der Welthandel, eine Hauptschlagader der Weltwirtschaft, verlor in den letzten Monaten deutlich an Fahrt. Analysten revidierten im 1. Quartal 2019 ihre BIP-Wachstumsprognosen für viele Volkswirtschaften zum Teil signifikant nach unten. Die OECD beispielsweise geht nun für 2019 von einem Weltwirtschaftswachstum von 3,3 % aus (Prognose Nov.: 3,5 %), für 2020 von 3,4 %. 2018 wuchs das Welt-BIP real um 3,6 %.

Vor allem die Binnennachfrage bestimmende Faktoren sind dennoch weiter gut: Arbeitsmarktdaten verbessern sich nach wie vor quer über den Globus (wenngleich Unterbeschäftigung und Qualifikationsmismatches Probleme bereiten). Dazu kommt die niedrige Verbraucherpreisinflation, die von den wieder gesunkenen Ölpreisen weiter gedämpft wird. All dies erhöht die Kaufkraft der Privaten und entsprechend die Konsumnachfrage. Geld- und Fiskalpolitik bleiben in vielen Ländern weiter akkommodierend, schwenken teils sogar wieder auf expansive Haltung ein. Allerdings haben sich während der schon sehr lange dauernden Periode extrem niedriger Zinsen (seit 2008) doch verschiedene Schwachstellen an den Finanzmärkten aufgebaut zB Überbewertungen sind in einigen Märkten, hohe Schuldenquoten im privaten und öffentlichen Bereich. Ein Risiko in diesem Zusammenhang ist, dass ein stärker als erwartetes Abbremsen der globalen Konjunktur auch bei anhaltend niedrigen Zinsen wieder zu Problemen bei der Rückzahlung fälliger Schulden führt. Weitere Risiken für die globale Konjunktur sind alte Bekannte: Handelsstreit, Slowdown in China, Brexit, Italien und sonstige geopolitische Verwicklungen.

Eurozone

In der Eurozone zeigt sich eine ausgewachsene Schwäche der Industrie, vor allem in Deutschland. Die entsprechenden Vorlaufindikatoren enttäuschen, was darauf hindeutet, dass die Schwäche des produzierenden Bereichs nicht nur in einer zufälligen Aneinanderreihung von Einmaleffekten wie zB den Abgastests in der Autoindustrie begründet ist. Der Dienstleistungssektor hingegen entwickelt sich weiter stark, auch die entsprechenden Vorlaufindikatoren sind nach wie vor positiv. Die Heterogenität der aktuellen Entwicklung zeigt sich nicht nur nach Sektoren sondern auch im Länderquerschnitt: Während die großen Euro-Volkswirtschaften Spanien und Frankreich robuste Wachstumszahlen liefern, zeigt Deutschlands Produktion eine ausgewachsene Schwäche und Italien glitt in eine Rezession ab. Die EZB senkte Anfang März ihre BIP-Prognosen auf 1,1 % für 2019 und 1,6 % für 2020. Das schwächere Wachstum dämpft auch die Inflationserwartung, was die EZB zur Lockerung ihrer Forward Guidance bewog: Der Leitzins soll bis über das Jahresende 2019 auf dem aktuellen Niveau belassen werden. Ab September 2019 bis März 2021 werden Banken quartalsweise längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
(TLTROs) mit einer Laufzeit von 2 Jahren zum jeweils gültigen Hauptrefinanzierungssatz geboten.

USA

Die Konjunktureinschätzung für die USA bleibt optimistisch, wenn auch hier - zumeist geringfügig - nach unten korrigiert wird. Besonders dynamisch läuft weiter der Privatkonsum, unterstützt vom ausgelasteten Arbeitsmarkt und der nur moderaten Inflation. Die sehr lebhafte Investitionstätigkeit der Unternehmen hingegen schwächt sich leicht ab; ein erstes Zeichen, dass der Schub der fiskalischen Anreize nachlässt. Insgesamt fallen die gängigen Vorlaufindikatoren, wenngleich etwas durchmischt, in der Tendenz weiter positiv aus.

 

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Stand: April 2019, Quelle: Economic Research RLB OÖ AG


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