Börse

Markt für Wertpapiere, Rohstoffe, Derivate und Waren

BörseAngebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Interessieren sich viele Anleger für ein Produkt, so steigt der Preis, finden sich hingegen wenige, sinkt dieser.

Wer Wertpapiere kaufen möchte, kann dies nicht direkt mit der Börse tun, nur Börsenhändler und Makler sind dort zugelassen. Damit Privatanleger am Börsegeschehen teilnehmen können, ist ein Wertpapierdepot mit Orderberechtigung bei einer Bank Voraussetzung.

Die Zusammenführung von Käufer und Verkäufer erfolgt meist nicht mehr an einem bestimmten Ort (Börsensaal, Börsenparkett), sondern geschieht über ein elektronisches Handelssystem. Im ersten Fall spricht man von einer Präsenzbörse, im zweiten von einer Computerbörse. Im Vordergrund steht vor allem der Handel mit Wertpapieren – insbesondere Aktien, Anleihen, Optionsscheinen und Zertifikaten.

  • Präsenz- bzw. Parkettbörse: Klassischer Wertpapierhandel über Händler
    zB: Frankfurt Parkett, NYSE (New York Stock Exchange)
     
  • Computerbörse: Vollelektronischer Börsehandel über Computer
    zB: Wien XETRA, Frankfurt XETRA, NASDAQ
     
  • Termin- und Warenbörse: Handel von Rohstoffen und Halbfertigprodukten von z.B. landwirtschaftlichen Produkten (Chicago Mercantile Exchange (CME), Chicago Board of Trade (CBoT))

 

Bedeutung der Börse

Zwei Gruppen profitieren von der Börse:

  • Anleger
    Sie können ihre Wertpapiere über die Börse kaufen oder verkaufen und ihr Geld gewinnbringend veranlagen. Der Handel läuft nach bestimmten Regeln ab, die für alle Marktteilnehmer gleich sind. Durch die Börse ist der rasche Kauf oder Verkauf von Wertpapieren sichergestellt.
     
  • Unternehmen
    Diese kommen via Aktien zu Eigenkapital und via Anleihen zu Fremdkapital. Mit diesem Kapital finanzieren sie ihre Investitionen, Forschungen sowie Markterschließungen und gleichzeitig wird die anhaltende Konkurrenzfähigkeit abgesichert.

Aufgaben der Börse

  • Die zentrale Aufgabe an der Börse besteht darin, Anleger (die Kapital veranlagen wollen) und Unternehmer (die Geld benötigen, um ihr Unternehmen auszubauen) zusammenzubringen. Je besser dies funktioniert, desto gewinnbringender ist es für die gesamte Volkswirtschaft.
  • Bereitstellung einer Handelsplattform für Wertpapiere, Waren, Rechte, …
  • Aktive Mitgestaltung des heimischen Kapitalmarktes.
  • Zulassungsstelle für Neuemissionen.

Geschichte der Börse

Die Bezeichnung dieses Handelsplatzes leitet sich von der im belgischen Brügge beheimateten Bankiersfamilie Van der Beurse ab. Im Wappen dieser Familie befand sich eine Geldbörse. Die Händler trafen sich vor deren Haus zum Tausch von Waren. Dort wurde solange um den Preis von Anteilsscheinen gefeilscht, bis sich ein Käufer bereit fand, die angebotenen Scheine zu bezahlen. Gab es wenig Interesse, sank der Wert des Papiers. An diesem Prinzip hat sich bis dato nichts geändert.

  • Die erste Aktie
    Als Geburtsstunde gilt der 20. März 1602. An jenem Tag haben sich einige kleinere niederländische Kaufmannskompanien zur Niederländischen Ostindien Kompanie bzw. „Verenigde Oost-Indische Compagnie“ (VOC) zusammengeschlossen, um die gegenseitige Konkurrenz auszuschalten. Die VOC weist als erste moderne Aktiengesellschaft alle grundlegenden Kriterien auf. Zudem konnten die Papiere frei gehandelt werden.
     
  • Die Wiener Börse
    Als Gründungsjahr der Wiener Börse gilt 1771 - sie wurde als eine der ersten Börsen der Welt von Kaiserin Maria Theresia gegründet. Sie entwickelte sich zum wichtigsten Kapitalmarkt der Monarchie. Der erstmalige Handel mit Aktien kam 1818 auf. Einen herben Rückschlag musste die Wiener Börse 1873 hinnehmen, denn von ihr ging die damalige Weltwirtschaftskrise aus. Nach dem 2. Weltkrieg wurden vorwiegend Forderungspapiere gehandelt. Im Jahr 1999 wurde die Börse privatisiert. Sie ist nun zu 50 Prozent im Eigentum von Banken und zu 50 Prozent im Eigentum der börsenotierten Unternehmen.

Ablauf des Börsenhandels

Folgendes Beispiel zeigt den Ablauf des Börsehandels und die Kursbildung:

Ausgangssituation

Mehrere Kunden entscheiden sich, Aktien des Unternehmens „XY“ zu handeln und erteilen somit ihre jeweiligen Aufträge an die Börse. Der zuletzt festgestellte Kurs der Aktie lag bei EUR 100.

Auftragserteilung

Käufer Verkäufer
Käufer 1 kauft 40 Stück "bestens", also zu jedem Preis. Verkäufer 1 verkauft 30 Aktien "bestens".
Käufer 2 kauft 70 Stück mit einem Limit von EUR 101, d.h. er will maximal EUR 101 zahlen. Verkäufer 2 will seine 130 Stück bei mindestens EUR 101 los werden, d.h. mit Limit bei EUR 101.
Käufer 3 kauft 100 Aktien mit einem Limit von EUR 100. Verkäufer 3 stellt seinen Verkaufsauftrag mit 90 Stück mit Limit EUR 100 in das Orderbuch.

Limitarten

  • Bestens: Auftrag wird zum nächsten an der Börse gebildeten Kurs durchgeführt.
  • Betrag: Auftrag wird bis zu einem bestimmten Kurs oder ab einem bestimmten Kurs ausgeführt.

Beispiel Kaufauftrag:
Kurs EUR 100,00
Limit EUR 99,50 - Auftragsausführung ab EUR 99,50 oder darunter

Beispiel Verkaufsauftrag:
Kurs EUR 100,00
Limit EUR 101,50 - Orderausführung ab EUR 101,50 oder darüber

Das Orderbuch an der Börse

Die Kauf- und Verkaufsaufträge werden in das Orderbuch der Börse aufgenommen. Sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite wird festgestellt, zu welchem Kurs wie viele Aktien umgesetzt werden können. Bei der Kursbildung werden seitens der Börse folgende Kriterien beachtet:

  • Zeitpunkt des Einlangens
  • "Bestens" vor "Betrag"
  • Höchstmöglicher Umsatz

Im Beispiel können bei Kurs EUR 100 die meisten Stücke durchgeführt werden. Aus diesem Grund wird der Händler den Kurs bei EUR 100 festlegen.

Durchführung der Aufträge

Die Aufträge werden zu Kurs EUR 100 durchgeführt. In unserem Beispiel wechseln 120 Stück Aktien die Besitzer. Die restlichen Stücke bleiben bis zum Ablauf der Gültigkeit an der Börse in Warteposition.

Durchgeführte Käufe bei Kurs EUR 100 Durchgeführte Verkäufe bei Kurs EUR 100
Käufer 1 bekommt 40 Stück Verkäufer 1 verkauft 30 Stück
Käufer 2 bekommt 70 Stück Verkäufer 3 verkauft 90 Stück
Käufer 3 bekommt 10 Stück  
Summe: 120 Stück Summe: 120 Stück

Einteilung der Wertpapiermärkte

Ein Aktienindex spiegelt die die Kursentwicklung eines gesamten Aktienmarktes, z.B. bestimmter Länder oder Branchen wider. Er dient als Maßstab (Benchmark) für die Entwicklung des Marktgeschehens. Unterschieden wird unter anderem zwischen Preis- und Performanceindizes. Bei letzteren wird nicht nur die reine Kursentwicklung abgebildet, sondern auch die Dividende miteinbezogen.
 

Börsen/Länder Wichtige Indizes Öffnungszeiten
Wien ATX (Preisindex)
Im ATX sind die rund 20 größten börsenotierten Konzerne gelistet.
 
ATX Prime (Preisindex)
Hier sind jene Titel der Wiener Börse enthalten, welche die Transparenz und Publizitätskriterien erfüllen sowie eine ausreichende Kapitalisierung verfügen.
9:00 – 17:30 Uhr
Frankfurt Xetra
Frankfurt Parkett
DAX (Performanceindex)
In diesem Index befinden sich die 30 größten und umsatzstärksten an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen.
 
TecDAX (Performanceindex)
Im TecDAX werden die 30 größten Technologiewerte betreffend Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz zusammengefasst.
Xetra
9:00 – 17:30 Uhr

Parkett
9:00 – 20:00 Uhr
Stuttgart   9:00 – 20:00 Uhr
München   9:00 – 20:00 Uhr
 
Anleihen
9:00 – 17:30 Uhr
USA Dow Jones Industrial (Preisindex)
Er spiegelt den US-amerikanischen Aktienmarkt wider - die 30 größten Standardwerte.
 
Nasdaq 100 (Preisindex)
Die 100 größten Technologiewerte an der Technologiebörse.
15:30 – 22:00 Uhr MEZ
Japan Nikkei 225 (Preisindex)
Dieser wird von der Börse Tokio berechnet und enthält die 225 wichtigsten japanischen Aktien.
2:00 – 08:10 Uhr MEZ