Kapitalmaßnahmen

Überblick über wichtige Ereignisse

Hauptversammlung

Die einmal jährlich stattfindende Zusammenkunft aller Aktionäre einer Aktiengesellschaft wird Hauptversammlung (kurz HV) genannt. Hier wird über wichtige, grundsätzliche Schritte des Unternehmens gesprochen. Beispiele: die Verwendung des Bilanzgewinns, Neuwahl des Aufsichtsrates oder auch die Auflösung der Aktiengesellschaft.

Stimmkarte

Aktionäre mit Stammaktien (normale Aktien mit allen Rechten) benötigen eine Depotbestätigung von ihrer depotführenden Bank, um an der Hauptversammlung teilnehmen zu können.

Depotbestätigungen werden immer auf den Inhaber ausgestellt und werden mit einem Formular angefordert. In Zusammenhang mit der Erstellung der Depotbestätigung sind Fristen zu beachten. Entscheidend für die Teilnahme an der Hauptversammlung ist der Nachweisstichtag. Dieser liegt 10 Tage vor dem Hauptversammlungstermin. Die Depotbestätigung wird bis spätestens 3 Werktage vor der Hauptversammlung der AG per Post zugesandt. Der Aktionär muss diese Depotbestätigung beim Besuch der Hauptversammlung vorweisen, um stimmberechtigt zu sein.

Vorzugsaktien

Inhaber von Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht, können jedoch ebenfalls an der Hauptversammlung teilnehmen. Dazu ist ebenfalls eine, von der Depotbank ausgestellte, Depotbestätigung nötig.

Kapitalerhöhung

Kapitalerhöhung gegen Bareinzahlung

Diese Grundvariante ermöglicht einer Aktiengesellschaft das Grundkapital für Investitionen uä. zu erhöhen. Es kommt neues Kapital in die Gesellschaft. Diese Variante ist die häufigste Form einer Kapitalerhöhung.

1. Beschluss in der Hauptversammlung

In der Hauptversammlung wird die maximal mögliche Kapitalerhöhung beschlossen. Meist ist eine 3/4-Mehrheit erforderlich.

Beispiel: Grundkapital 100 Mio. darf auf maximal 125 Mio. Euro Nominalwert (oder Angabe in Anktienanzahl) aufgestockt werden.

2. Beschluss des Vorstandes

Der Vorstand der AG beschließt zu einem für die AG günstigen Zeitpunkt die tatsächliche Ausgabe der jungen Aktien. Meist begleitet ein Bankenkonsortium die Emission und sorgt auch für die Platzierung.

Beispiel:  Ausgabe von jungen Aktien:  4:1,  Ex-Tag 15.5.,  Bezugsfrist 16.5. bis 25.5., Bezugsrechtshandel 21. - 24.5. zu EUR 120,-- für die jungen Aktien

3. Ex-Tag 15.5.

Dieser Tag ist sehr wichtig, da nur jene Aktionäre zur Teilnahme an der Kapitalerhöhung berechtigt sind, die die Aktien am Morgen des Ex-Tags vor Börenöffnung besitzen. Alle ab dem Ex-Tag gekauften Aktien der betreffenden AG sind nicht mehr berechtigt.

Am Ex-Tag erfolgt der sogenannte Bezugsrechtsabschlag, dh. es werden die Bezugsrechte von den alten Aktien getrennt und dem Kunden in das Bankdepot eingebucht. Die Bezugsrechtsanzahl richtet sich nach dem Trennverhältnis.

Die alte Aktie ohne Bezugsrecht fällt im Ausmaß des rechnerischen Wertes des Bezugsrechtes. 

Der rechnerische Wert des Bezugsrechtes wird ermittelt:  

  • Wert der alten Aktien (Schlusskurs vom Vortag) zB. EUR 160,-

  • abzüglich des Preises der neuen, jungen Aktien zB. EUR 120,-

  • ergibt EUR 40,-

  • dividiert durch das Bezugsverhältnis 4:1 ergibt EUR 10,-

  • dh. der Preis der alten, börsennotierten Aktien fällt auf EUR 150,-

  • das Bezugsrecht hat damit einen rechnerischen Wert von EUR 10,-

  • der tatsächliche Wert des Bezugsrechtes ergibt sich im anschließenden Bezugsrechtshandel

4. Bezugsrechtshandel

Während einer kurzen Frist können die Bezugsrechte an der Börse wie Aktien gehandelt werden. Meist findet pro Tag eine einmalige Kursbildung (Mittagsauktion, oft um 13.00 Uhr) statt. Der Preis orientiert sich am rechnerischen Wert des Bezugsrechtes, an den Veränderungen des Aktienpreises seit dem Ex-Tag und an der Nachfrage nach den jungen Aktien.

Insbesondere wenn der rechnerische Wert sehr gering oder nicht vorhanden ist, wird auch immer wieder auf den Bezugsrechtshandel verzichtet. Sie erhalten darüber eine entsprechende Information. Als Altaktionär haben Sie jedoch trotzdem ein bevorzugtes Bezugsrecht auf die jungen Aktien.

Junge Aktien kann man grundsätzlich NUR über die Bezugsrechte kaufen/beziehen. Damit wird sichergestellt, dass Altaktionäre, die einen wesentlichen Anteil an der AG halten, bei Ausnutzung der Bezugsrechte wieder den gleichen prozentuellen Anteil an der AG haben. 

Weiters gibt es sogenannte "Freie Zeichnungen" - dabei verzichtet meist ein Großaktionär auf seine Bezugsrechte und überlässt sie den Interessenten an der freien Zeichnung. Naturgemäß kann es dabei zu Kürzungen kommen.

Den Auftrag zur Regelung der Bezugsrechte geben Sie bitte mittels elektronischem Auftrag an uns. Es bestehen 3 Möglichkeiten:

  • Ausnutzungen der vorhandenen Bezugsrechte zum Bezug der jungen Aktien (Wenn Sie 400 alte Akten vor dem Ex-Tag besaßen, haben Sie 400 Bezugsrechte eingebucht bekommen und Sie können bei einem Verhältnis von 4 : 1 junge Aktien (100 Stk.) zu 120,-- beziehen.

  • Sie können weitere Bezugsrechte zukaufen um mehr junge Aktien zu erwerben - zu beachten ist jedoch das Verhältnis 4:1.

  • Sie können auf den Bezug der jungen Aktien verzichten und die Bezugsrechte verkaufen.
    Ohne Ihre Rückmeldung bis zur genannten Frist werden wir für Sie die Bezugsrechte bestens verkaufen.

ACHTEN SIE AUF DIE FRISTEN !  Da die gesamte Abwicklung manuell läuft, müssen wir Ihre Weisung ca. 1 bis 2 Tage vor dem letzten Bezugsrechtshandelstag erhalten.

5. Bezug der jungen Aktien im Rahmen der Bezugsfrist

Mittels autorisiertem Formular erteilen Sie den Auftrag zum Bezug der jungen Aktien.

Nach Ende der Bezugsfrist werden die jungen Aktien eingebucht und Sie erhalten eine Abrechnung. Die Einbuchung erfolgt bei uns taggleich, die Anlieferung ist allerdings von Börsenplatz zu Börsenplatz, aber auch gemäß der unterschiedlichen Emissionsbedingungen unterschiedlich.

Wenn Sie Bezugsrechte haben, kann der Bezug auch zwangsweise erfolgen, dies hängt von den Emissionsbedingungen und den Usancen des jeweiligen Börseplatzes ab.

Eine weitere Variante der Kapitalerhöhung ist aus eigenen Gesellschaftsmitteln. Hier wird aus Rücklagen Grundkapital. Diese Variante kommt jedoch sehr selten vor.

Split

Allgemein bedeutet Splitting im Börsewesen die Aufteilung eines Wertpapiers, dessen Kurs auf einen sehr hohen Betrag gestiegen ist, in zwei oder mehrere neue Papiere, deren Gesamtwert mit dem Wert des alten Wertpapiers übereinstimmt (Splits sind vermögensneutral).

Zweck des Splits

Die Vermeidung von optisch zu hohen Preisen. Eine Verkleinerung bewirkt also, dass das Wertpapier dem Anleger attraktiver erscheint. Somit erhält auch der Investor, der nur über einen geringen Betrag verfügt, die Möglichkeit, das betroffene Wertpapier zu kaufen; die Handelbarkeit nimmt zu.

Auswirkung des Splits auf die Aktie

Beim Split kommt es:

  • zu einer Erhöhung der Stückzahl der auf das Grundkapital einer Aktiengesellschaft ausgegebenen Aktien, der Anteil am Grundkapital bleibt unverändert.

  • zu einem der Aufteilung entsprechend geringeren Kurs.

Beispiel

Angenommen Sie besitzen 100 Aktien, die vor dem Split mit einem Kurs von je EUR 800,- an der Börse gehandelt werden. Der gesamte Kurswert beträgt also EUR 80.000,-. Es wird ein Split 1:10 durchgeführt, dh. Sie haben nach dem Split 1000 Aktien, allerdings ist nun der Kurs auf EUR 80,- gesunken.

Die Teilung führt bei nennwertlosen Aktien zu einer Verringerung des Anteils jeder einzelnen Aktie am Ertrag und am Gesellschaftsvermögen der AG.

Umtausch

Zweck des Umtausches

Der Umtausch erfolgt über Beschluss der Aktiengesellschaft. Je nach Art und nationalem Recht ist dafür mitunter die Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich.

Ausgangspunkt für einen Umtausch ist eine Fusion, eine Übernahme oder eine Abgeltung von Reststreubesitz.

Mit Umtausch kann auch die Ausnutzung des Bezugs- oder Umtauschrechtes von Wandelanleihen, Optionsscheinen oder ähnlichen Produkten gemeint sein. Hier gelten dann die jeweiligen Emissionsbedingungen des Wertpapieres.

Varianten des Umtausches

Zwangsumtausch und freiwilliger Umtausch sind die beiden Hauptvarianten.

Ein Zwangsumtausch tritt häufig auf, wenn es sich um Reststreubesitz handelt oder wenn dies mehrheitlich (meist 2/3-Mehrheit) in der Hauptversammlung beschlossen wurde. Freiwillige Umtauschangebote werden oft bei Übernahmen gestellt.

Ihre Handlungsmöglichkeiten richten sich nach der Angebotsvariante.

Barausgleich

Zweck des Barausgleichs

Der Barausgleich erfolgt über Beschluss der Aktiengesellschaft. Je nach Art und nationalem Recht ist dafür mitunter die Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich. Mit Barausgleich wird die Zahlung von Geld anstelle von Sachwerten oder Wertpapieren verstanden.

Ein Barausgleich kann im Rahmen einer Übernahme zur Abgeltung der Altaktionäre erfolgen. Weiters kann ein Unternehmen mittels Barausgleich auch freiwillig eine Sonderausschüttung an Aktionäre durchführen.

Wird zum Beispiel eine Aktiengesellschaft von einer zweiten übernommen, so ist die kaufende Gesellschaft verpflichtet, den freien Aktionären der zu übernehmenden Firma eine Abfindung anzubieten. Dies kann in Form eines Aktientausches geschehen, dh. die Aktionäre des gekauften Unternehmens erhalten Aktien der kaufenden Gesellschaft oder sie erhalten eine Barabfindung.