Anleihen

Was Sie über Anleihen wissen sollten

Nicht nur Privatpersonen benötigen Kredite. Auch der Staat braucht Geld, um Investitionen zu tätigen. Deshalb leihen sich der Bund oder Gemeinden Geld von Bürgern. Der Anleger investiert sein Geld für eine bestimmte Zeit und er bekommt dafür regelmäßige Zinszahlungen.

Wegen dieser Zinsen werden Anleihen auch festverzinsliche Wertpapiere genannt. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger sein Geld zurück. Das Wertpapier kann auch zwischendurch an die ausgebende Stelle zurückgeben oder an der Börse zu tagesaktuellen Kurs verkauft werden. Neben dem Staat leihen sich auch Banken und selbst Unternehmen Geld bei Privatpersonen.

 

Für wen sind Anleihen interessant?

Anleihen eignen sich besonders für konservative Anleger. Die Investoren erhalten einen jährlich stabilen Ertrag, die Ausschüttung. Gleichzeitig halten sich die Kursschwankungen in Grenzen.

Vorteile

  • Auszahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der Laufzeit, laut Anleihebedingungen
  • Hohe Sicherheit bei Anleihen mit entsprechendem Rating
  • Fixe Laufzeit
  • Fixe Verzinsung, also regelmäßige Zinsausschüttung
  • Hohe Produkttransparenz

Nachteile

  • Bei einem Verkauf während der Laufzeit kann der Kurs unter dem Kaufpreis liegen.
  • Je schlechter die Bonität, desto höher die Rendite - Vorsicht bei Veranlagungen, die eine über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite versprechen.

Arten von Anleihen und Risiken

Arten von Anleihen

  • Staatsanleihen
    Staatsanleihen werden von der öffentlichen Hand wie Bund, Ländern und Gemeinden ausgegeben. Anleihen, die von Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, Indien oder Brasilien emittiert werden, werden auch als Emerging Markets-Anleihen bezeichnet.
  • Unternehmensanleihen
    Sie werden auch als Corporate Bonds bezeichnet. Diese Anleihen werden, wie der Name schon sagt, von Unternehmen begegeben. Raiffeisen Oberösterreich hat etwa bei Emissionen wie der Energie AG, ÖBB und der OMV mitgewirkt.
  • Bankanleihen
    Das sind jene Anleihen, die von Banken emittiert werden.

Risiken bei Anleihenveranlagungen

  • Kursrisiko: Bei steigenden Marktzinsen fällt der Kurs einer fixverzinsten Anleihe, da diese im Vergleich zu Neuemissionen unattraktiver wird. Bei fallenden Marktzinsen hingegen steigt der Kurs einer fixverzinsten Anleihe, da diese nunmehr im Vergleich zu Neuemissionen attraktiver ist. Bei einem Halten der Anleihe bis zur Tilgung besteht für den Investor ein sehr geringes Kursrisiko. Ein vorzeitiger Verkauf kann jedoch zu Kursgewinn oder -verlust führen!
  • Bonitätsrisiko: Die wirtschaftliche Lage des Emittenten ist Grundlage für die Sicherheit. Sie gewährleistet
    • die ordnungsgemäße Durchführung des Zinsendienstes
    • die planmäßige Rückzahlung des aufgenommenen Kapitals

Oft liegen Bonitätsbewertungen (Ratings) von dafür spezialisierten Ratingagenturen (zB Standard & Poors, Moody´s) vor.

Es gilt der Grundsatz: Je schlechter die Bonität, desto höher die Rendite. Vorsicht bei Veranlagungen, die eine über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite versprechen!

  • Wechselkursrisiko: Der Kauf einer Fremdwährungsanleihe bedeutet eine Investition in der entsprechenden Währung. Für den Anlageerfolg ist es von entscheidender Bedeutung, wie sich die ausländische Währung gegenüber dem Euro entwickelt. Eine Abwertung der fremden Währung gegenüber dem Euro bedeutet eine Entwertung des eingesetzten Kapitals bzw. der erwarteten Zinsen und vermindert damit die Rendite!
     
  • Liquiditätsrisiko: Bei vorzeitigem Verkaufswunsch einer Anleihe findet sich kein Käufer.
     
  • Transferrisiko: Politische Sanktionen des Sitzlandes des Emittenten verhindern Geldtransfer.

Verzinsungsarten

Festverzinsliche Wertpapiere

  • fixer Zinssatz
  • gilt die gesamte Laufzeit
  • Bezug auf Nominalbetrag
  • Zinszahlung periodisch im Nachhinein

Variabel verzinste Schuldverschreibungen

  • auch "Floating Rate Notes" genannt
  • variabler Zinssatz
  • nach Ablauf der Zinsperiode an Marktzinsen angepasst
  • Anpassungsarten:
    - Sekundärmarktrendite - Kapitalmarktfloater
    - Geldmarktzinssatz - Geldmarktfloater

Null Kupon Anleihen

  • ohne Nominalzinssatz
  • Emissionskurs < Tilgungskurs
  • Ertrag = Tilgungskurs - Anschaffungskurs

Begriffserklärungen:

  • Emissionskurs: Kurs, zu dem eine Anleihe gezeichnet bzw. erstmalig begeben wird.
  • Kauf/Verkaufskurs: Kurs, zu dem eine Anleihe am Sekundärmarkt ge- oder verkauft werden kann.
  • Tilgungskurs: Kurs, zu dem die Anleihe bei Fälligkeit getilgt wird.
  • Kapitalmarkt: Markt für längerfristig zur Verfügung gestelltes Kapital (Referenzzinssatz z.B. UDRB)
  • Geldmarkt: Markt für kurzfristig zur Verfügung gestelltes Kapital (Referenzzinssatz z.B. EURIBOR)